Philip Lüschen : Waiting Room Survival Guide

FREMDKÖRPER#

Stefan Prins

Piano Hero #1 (2011/12)

Erosie (Memory Space #1) (2005)

Fremdkörper #1 (2008)

Improvisation

Fremdkörper #3 (2010)

Der belgische Komponist Stefan Prins gehört zu jener jungen Generation der digital natives, die in den letzten zehn Jahren für einige Bewegung in der kleinen Szene der zeitgenössischen Musik gesorgt haben. Ihr künstlerisches Selbstverständnis gründet nicht mehr allein in der hegelianisch-geschichtsphilosophischen Vorstellung der Entwicklung (ja quasi Entfaltung) des Materials. Während die ältere Avantgarde die Kunstwahrheit jeweils im neuesten Materialstand festmachte, sind die Komponisten dieser jüngsten, durchaus kritischen Generation von Komponisten, getragen von multi- und transmedialen Gedanken. Begriffe  wie Diesseitigkeit, neuer Konzeptualismus, Digitalisierung, aber auch theatrale Elemente und visuals gehören zu den erklärenden und materialen Selbstverständlichkeiten ihres „neuen Komponierens“. Hier ist nicht mehr ein konservativer Rückbezug im Umgang mit bereits Bekanntem am Wirken, wie wir ihn seit den späten 70-er Jahren kennen, nein es kann eine durchaus kritische Postmodernität in dieser sehr selbstbewusst auftretenden Bewegung gesehen werden. Die Komponisten sind mehr einer künstlerischen Öffnung verpflichtet, als einer Weiter-Verfeinerung der zeitgenössischen Instrumentalmusik. Ihre Bezüge sind unter anderem in der bildenden Kunst, im Film, in der sound art, in der noise music, in Pop und Rock und im internet zu finden, ihre Motivationen in der politischen und gesellschaftlichen Alltagswelt. Darin findet eine klassische Forderung der kritischen Avantgarde erneut eine gewisse Genugtuung, nämlich die Verschränkung von Theorie und Praxis, von Kunst und Leben. So ist diese sehr lebendige, freche und zum Teil auch ikonoklastische Bewegung vielleicht mehr als ein kurzes Aufbäumen, kann als größere Wende im neueren Musikdenken gesehen werden. Diese Komponisten suchen den Anschluss an einen breiteren kulturellen und ästhetischen Diskurs, der in der engen Szene der neuen Musik ihrer Meinung nach längst verloren gegangen ist. Postmoderne ist hier nicht reaktionär, sondern dialektische Figur der Moderne. (Marcus Weiss)

 

 „ ..... (ihre) Hauptreferenzen sind nicht mehr Beethoven, Stockhausen, Dante oder Kafka, sondern auch, und dies ohne hierarchische Unterscheidung: Beyoncé Knowles, Squarepusher, noise music, metal hard rock, avant-pop, Quentin Tarantino, Banksy, Gangnam Style, anonyme Youtube-Videos etc.“ (Stefan Prins)